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Foto: Elsendorfer Heimatbuch "Elsendorf - Chronik einer Abenstalpfarrei" von Franz Huber, erschienen 2003

27. April 1945: Elsendorf unter Artilleriebeschuss durch die Amerikaner

Granate tötet vier Rinder und drei Schweine beim Glaser Hofbauer in Elsendorf

Am Freitag, den 27. April 1945, wenige Tage vor Ende des zweiten Weltkriegs, schlugen mehrere Granaten in Elsendorf ein. Die Angriffe der bis zur Donau bei Neustadt vorgerückten Amerikaner galten vermutlich der Kreuzung an der Hauptstraße (B 301).

Glück im Unglück hatte die Familie Hofbauer (beim Glaser), als gegen 22.30 Uhr eine Granate im Stall einschlug und vier Rinder und drei Schweine tötete. Nur wenige Meter entfernt befanden sich Frauen und Kinder auf dem Weg in den Kartoffelkeller.

    
Granateinschlag-1

Der Einschlag der Granate und die Detonation im Stall.

Die Geschwister Hofbauer erinnern sich an diese schrecklichen Stunden:

„Während des ganzen Tages hörte man schon das Donnern der amerikanischen Artillerieangriffe. Es herrschte große Unruhe im Dorf. Wir Kinder waren bereits im Bett. Plötzlich gab es einen lauten Knall: Im Hof des Nachbarn Sternecker schlug eine Granate ein und riss ein großes Loch in den Boden, die Außenmauer des Wohnhauses wurde beschädigt und ein Granatsplitter blieb im Fensterstock der Schlafkammer vom alten Kramschuster stecken.

Nun ging alles sehr schnell. Wir mussten in den Keller. Auch die Nachbarinnen Frau Sternecker und Frau Reindl mit ihren Kindern kamen zu uns, um Schutz zu suchen. In ihren Häusern gab es ja keinen Keller. Einige von uns befanden sich noch im Hausgang, als im angrenzenden Stall eine Granate einschlug. Die Stalltüre, die in den Wohnbereich führte, wurde durch den Druck aufgerissen und Splitter flogen durch die Luft; einer davon traf Frau Prinz im Gesicht, Elisabeth erlitt Gehörverletzungen durch den starken Luftdruck.

Alle schrien durcheinander und rannten so schnell wie möglich in den Keller runter. Wir beteten. Gegen Mitternacht kamen einige SS-Männer und forderten uns auf, den Keller zu verlassen, da es hier zu gefährlich war. Wir verbrachten die restliche Nacht beim Hofbauer Lorenz (Schreiner) und die nächste Nacht im Bauernwirts-Keller. Am Sonntag-Mittag kamen dann die Amerikaner ins Dorf, nachdem auf dem Kirchturm eine weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation gehisst worden war.

In unserem zerbombten Stall bot sich ein Bild der Verwüstung: Unsere beiden Kühe, sowie ein alter und ein junger Ochse und zwei Schweine waren tot, ein drittes war schwer verletzt und musste notgeschlachtet werden. Die Ziege und weitere Schweine überlebten. Die östliche Stallmauer wurde schwer beschädigt und teilweise nach außen gedrückt, ein Fensterstock wurde in den Garten geschleudert.

Die Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner war groß: So schenkte uns der Friedl-Müller eine Kuh und in den Orten Elsendorf, Ratzenhofen und Unterwangenbach wurde eine Sammlung für die beiden Geschädigten Hofbauer Georg und Sternecker Anton durchgeführt, bei der 972 Mark zusammen kamen."

Granateinschlag-2

Der durch die Granate zerborstene Deckenbalken wurde nach Kriegsende nicht ausgewechselt und ist heute ein stummer Zeuge der Ereignisse vom 27. April 1945.

Foto: Georg Hofbauer

 

Nach Augenzeugenberichten aufgezeichnet von Georg Hofbauer.